Wie ich eine Top-40-Band fotografierte

...und die Bilder nach allen Regeln der Kunst verkackt habe

...und die Bilder nach allen Regeln der Kunst verkackt habe

9. Dezember 2019

„Mein Freund spielt in einer Partyband, kannst du Fotos von denen machen?“ fragte mich eine Kollegin und natürlich habe ich zugesagt. Eine Band fotografieren sollte nicht die große Schwierigkeit sein Es sollte im Probenraum einen schwarzen Vorhang geben, der als Hintergrund dienen würde zumal es im Probenraum einen großen schwarzen Vorhang geben würde, die Mitglieder der Band sollten in ihren Signature Farben auftauchen, also rote Oberteile tragen – das waren die mir bekannten Fakten.

Also habe ich Kamera und zwei Aufsteckblitze in die Fototasche geworfen und bin vor die Tore Bremens gefahren, um mir zunächst der Probe beizuwohnen und dann die Fotos zu machen.

Leider trugen nicht alle Bandmitglieder wirklich rote Oberteile, schwarze Hemden mit roten Hosenträgern mögen zwar farblich zum Corporate Design der Band passen, nur sind schwarze Hemden vor schwarzem Hintergrund so eine Sache. Hier soll sich auch keine indirekte Schuldzuweisung verstecken dürfen: das hätte ich schlichtweg erkennen müssen.

Wahrscheinlich hätte es sogar gereicht, einen der beiden Aufsteckblitze -ich hatte beide hinter mir platziert und auf die ebenfalls hinter mir liegende, weiße Wand ausgerichtet- leicht schräg hinter die Mitglieder der Band zu stellen, um die Konturen der Jungs und des Mädels zu betonen und vom Hintergrund abzuheben. Die Frage, die ich mir vornehmliche stellte war, ob die Gesichter ausreichend beleuchtet seien. Und das waren sie.

Hör auf, dir die Scheiße schönzureden

Ich war zunächst eigentlich nur teilweise unzufrieden mit den Fotos und redete mir ein, dass es schon irgendwie passen würde. Ein paar Anpassungen in Photoshop sollten es richten nur kann auch Photoshop keine Wunder vollbringen – trifft schwarz auf schwarz sieht Photoshop (respektive Capture One, Photoshop benutze ich überhaupt nicht) aber eben auch schwarz und da gibt es dann nicht mehr viel zu retten.

Schnell wurde die Ostfriesische Kriegsflagge -weißer Adler auf weißem Grund bemüht und mir doch relativ deutlich klar gemacht, dass das ja mal nix war.

Wahrheiten können leider wehtun und so richtig die Einschätzung, dass der Shoot ein klassischer Reinfall war, konnte ich mich damit zunächst nicht so richtig abfinden.

Ich versuchte noch, mich in Ausflüchte zu retten, kam damit aber nicht durch. „Hör auf, dir die Scheiße schönzureden“ wurde so zwar nicht direkt formuliert, war zwischen den Zeilen aber deutlich herauszulesen. Eine meiner besten Freundinnen erklärte mir, als ich ihr ein wenig niedergeschlagen von meinem misslungenen Fotoexkurs berichtete, dass sie die zugespitzte Formulierung so schön fände, dass sie sich den Spruch gerne auf ein Kissen sticken lassen möchte – insofern hatte die missglückte Fotoaktion zumindest einen unmittelbaren positiven Aspekt.

Der mittelbare positive Teil der Aktion ist der Lerneffekt. Das bringt der Band zwar jetzt auch keine wirklich brauchbaren Bilder, immerhin sollte sich der Fehler aber auch nicht wiederholen.

Ich erwähnte an der einen oder anderen Stelle im Blog, dass es hier nicht nur um die tollen und dadurch auch ein wenig selbstreferenziellen gelungenen Fotos gehen soll, sondern auch und eigentlich gerade um die ganz groß mißratenen Versuche.

Nächstes Mal wird es dann halt besser werden.

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