Und dann kam Robin

Workshop "Übermut": Eine Weltpremiere und neue Freundschaften

Workshop "Übermut": Eine Weltpremiere und neue Freundschaften

28. März 2020

Wie es zum Workshop kam

„Robin, eigentlich könntest du auch mal einen Workshop geben“. In der Facebook-Gruppe eines nur zu fünfzig Prozent glaubhaften Podcasts las ich nur flüchtig diesen Textschnipsel, den die liebe Nicole an Robin Disselkamp gerichtet hatte.

„Workshop“ klang gut, fand ich und habe erst einmal „hier“ geschrien. Offen gestanden hatte ich zu dem Zeitpunkt keine Ahnung, wer Robin ist, was er macht und warum ich einen Workshop bei ihm besuchen sollte, aber ich war an einem Punkt in meiner weitgehend autodidaktisch erarbeiteten Fotografie angekommen, an dem ich nicht so richtig weiterkam und Hilfe von außen herzlich Willkommen schien.

Neben Nicole bekundeten mit Matthes und Vera noch zwei weitere Mitglieder dieser Facebook-Gruppe ihr Interesse und da dachte ich, so schlecht wird das schon nicht sein, was dieser Robin da macht.

Robin, Vera

Kurz darauf stand dann eben der Plan, dass es einen Workshop geben solle. Über Portraitfotografie. Im nordrhein-westfälischen Solingen, Ende November 2019.

Bereits im Vorfeld gründete Robin eine WhatsApp-Gruppe, in der wir als Teilnehmende uns gegenseitig und eben auch Robin ein wenig näher kennenlernen konnten und die Chemie passte auf Anhieb. Kurz vor dem Workshop stieß noch Marcus zu uns, so dass wir insgesamt zu fünft am Workshop „ÜberMut“ teilnehmen würden.

Anreise und Frühstück

Nach einer viel zu kurzen Nacht fuhr ich dann am fraglichen Samstagmorgen merklich zu müde um fünf Uhr in Richtung Südwesten, aber es ist ja nicht ohne Grund, dass es an den Autobahnen Raststätten gibt und gleichsam ist es nicht ohne Grund, dass an Autobahnraststätten Red Bull verkauft wird.

So gleitete ich galant und gut koffeinisiert über die leeren Autobahnen, das iPhone mit mit dem Bluetooth-Empfänger des Autoradios gekoppelt: Robin betreibt auch einen Podcast, einen ausgesprochen hervorragenden sogar, wobei ich von der Qualität dieses Podcasts nichts wusste, hatte ich bis dahin noch keine ganze Folge gehört. Es wäre aber nun auch etwas peinlich gewesen, völlig uninformiert in Solingen aufzuschlagen und so konnte ich mir auf der Fahrt hervorragend die Zeit vertreiben.

Ich kam ein wenig früh in der Stadt der scharfen Messer an und beschloss, das Auto zunächst an der Location des Workshops, der Schwarzweißmalerei, zu parken. Da wir uns zumindest in Teilen zum Frühstück verabredet hatten, erschien es mir eine hervorragend kluge Idee, mit dem Taxi in die Innenstadt zu fahren, man kennt ja die Situation in Innenstädten, parken ist da nicht immer ganz so leicht.

Insofern gab es hier gleich eine erste Lektion: Solingen ist lang, verdammt lang und eine gefühlte Ewigkeit und dreißig Euro Taxigebühr später kam ich an der Filiale einer großen Restaurantkette (nein, nicht McDonald’s) an.

Das Model und der Fotograf: Profis bei der Arbeit

Vera, Matthes und Robin waren kurz vor mir eingetroffen, wir begrüßten einander und es zeigte sich spätestens jetzt, wie wertvoll die erwähnte WhatsApp-Gruppe war: im Grunde kannten wir uns ja schon und so fiel der Prozess den Kennenlernens weg. Es hatte ein wenig was von Klassentreffen, wir tauschten uns über Fotografie und Alltägliches aus und ließen uns das Frühstück schmecken.

Fast pünktlich kamen wir dann mit gut gefüllten Bäuchen an der Schwarzweißmalerei an, wo Nicole und Marcus bereits auf uns warteten und fuhren mit einem beeindruckenden Lastenfahrstuhl zum Fotostudio.

Im Vorfeld des Workshops hatten wir eine kleine Hausaufgabe bekommen: alle Teilnehmenden sollten drei Portraitfotos mitbringen, die wir dann gemeinsam anschauten und diskutierten.

Schon hier war der Erkenntnisgewinn größer, als er es nach drölfzig YouTube-Tutorials gewesen wäre. Ich will natürlich nicht vorwegnehmen, was es da alles Spannendes zu lernen gab, möglicherweise wird Robin den Workshop auch in Zukunft anbieten und solltest du als Leser das Glück haben, teilnehmen zu können, sei dir der Lerneffekt gegönnt.

Seine Hauptaufgabe sah unser Workshopleiter darin, uns, wie er es sagte, den Kopf aufzuschrauben und unser Wissen über Fotografie sozusagen neu zu ordnen.

Ich kann natürlich nur für mich sprechen, aber dieses Ziel hat er auf jeden Fall erreicht. Tatsächlich habe ich über den Verlauf der letzten Jahre zwar einen großen Schatz an Theorie angehäuft, das meiste davon jedoch nie in die Praxis umgesetzt. Und vieles dessen, das ich vor allem durch kurze Tutorials in Videos oder auf Blogs gelesen hatte, war stark verkürzt und irreführend: es wird nämlich gerne die Illusion vermittelt, dass es den einen richtigen Weg zu einem gelungenen Foto gäbe, was nun einmal absolut nicht stimmt.

Endlich fotografieren

Vera

Nach dem theoretischen ging es dann in einen ersten praktischen Teil über. Robin wollte wissen, wer von uns es hasse, selbst fotografiert zu werden. Vera und ich hoben daraufhin als erstes die Hände, was dazu führte, wir hätten es vielleicht besser wissen können, dass wir uns als erstes gegenseitig fotografieren sollten.

Dummerweise hatten wir Robin ein wenig missverstanden und uns erheblich mit der Zeit verschätzt, so dass Vera zwar einige, wie ich finde, sehr schöne Fotos von mir machen konnte, mir aber die Zeit fehlte, es ihr gleich zu tun.

Zudem war mein Plan, sie auf eine Zwischendecke in der Schwarzweißmalerei zu setzen und sie von einer Leiter zu fotografieren, ein wenig überambitioniert. Dabei hingen da zwei sehr schöne Filamentleuchten von der Decke, die ein perfekter Vordergrund gewesen wären.

Die Scheißleiter erforderte zum Ausklappen zumindest ein Ingenieursstudium, die Zeit wurde knapper und so gelang mir nur die etwas wenig geglückte Aufnahme weiter oben. Jaaa, ihre Haare verschmelzen mit dem Hintergrund und das tut mir tatsächlich ausgesprochen leid. Übrigens würde ich den gleichen Fehler ein paar Wochen später beim Fotografieren einer Top-40-Band erneut machen, aber dazu gibt es hier einen eigenen Blogartikel.

Schon bald sollte es Pizza für alle zum Mittagessen geben, vorher zeigte Robin uns noch ein paar seiner Fotos und erläuterte seine Gedanken dahinter, während wir lauschten und lernten.

Dritter Akt: Auftritt Isabell

Am Nachmittag würde uns Isabell als Model unterstützen. Robin hatte bereits im Vorfeld einige Male mit ihr fotografiert und wir waren alle sehr gespannt, wer da gleich kommen würde.

Zunächst stellten wir uns und Isabell sich vor, bevor es dann ans Fotografieren ging.

Meine Annahmen über das Konzept der Fotografie auf so einem Workshop sollte sich dann direkt als „irrig“ herausstellen. Eigentlich dachte ich, Robin würde uns an die Hand nehmen und Dinge wie „Das ist Isabell, die stellen wir mal hier ans Fenster und dann machen wir aus diesem Winkel ein Foto von ihr, weil das sieht gut aus“ sagen. Tatsächlich sagte er aber nicht mehr als „Jetzt mach mal Fotos“ und darauf war ich deutlich nicht gefasst.

Zunächst hatte ich die Hoffnung, sie bräuchte noch Bilder für ihr Portfolio. Isabell hat einen Instagram-Account mit einer dreistelligen Followerzahl und ich war mir sicher, dass sie bestimmt eine Vorstellung davon habe, was ihr an Bildmaterial noch so fehle. Leider verneinte sie meine Frage, ob es denn nun ein Bild gäbe, dass sie bräuchte und da stand ich dann da, hatte so recht auch keine Idee und beschloss, dass wir uns an eines der großen Fenster der Schwarzweißmalerei stellen, sie ein wenig rausgucken und ich sie quasi von außen an der Wand entlang fotografieren würde.

Isabell

Dafür mussten wir beide uns, im wörtlichen Sinne, arg weit aus dem Fenster lehnen, was zu einiger Besorgnis bei den anderen Teilnehmenden führte. Artikel 3 des Rheinischen Grundgesetzes besagt jedoch: et hätt noch emmer joot jejange und da Solingen zur Metropolregion Rheinland gehört, musste dieses Gesetz logischerweise auch hier Anwendung finden.

Erfreulicherweise sind wir beide nicht aus dem Fenster gefallen und konnten so noch weitere Fotos auf etwas sichererem Terrain im Inneren der Schwarzweißmalerei machen.

In der ganzen Aufregung habe ich dann tatsächlich vergessen, dass wir eigentlich die Aufgabe hatten, mit sogenannten „Störern“ zu arbeiten, also Objekte in den Bildvordergrund zu nehmen, um Spannung im Foto zu erzeugen.

Zudem hatte ich mir im Laufe der Jahre angewöhnt, ein Foto, das ich gemacht habe, direkt auf dem Display meiner Kamera zu prüfen. Robin wies mich darauf hin, dass es schon ein wenig unhöflich Isabell gegenüber sei, mich dem Anschein nach mehr mit meinem Display als mit ihr zu befassen, aber so schnell legt man eine jahrelang einstudierte Gewohnheit nicht ab, so dass aus dem kritischen Hinweis mit fortwährendem „auf’s-Display-gucken“ irgendwann eine Mahnung und dann durchaus berechtigtes Meckern wurde, bis er mir das Display meiner Kamera abkleben wollte, was ich immerhin umgehen konnte, in dem ich den rückseitigen Bildschirm ausschaltete – und ja, natürlich habe ich dann halt auf den ausgeschalteten Monitor geguckt.

Tatsächlich aber wandert mein Blick seit diesem Workshop deutlich, deutlich weniger auf den Bildschirm, nachdem ich ein Bild gemacht habe. Ich würde also sagen „lesson learned“, würde Robin Anglizismen nicht hassen. Meinetwegen also habe ich die Lektion gelernt.

Isabell ist Tänzerin und es ist anzunehmen, dass sie schon tanzend auf die Welt gekommen ist. Sie hat eine unglaubliche Körperbeherrschung und wusste auch meinen sehr laienhaften Wünschen („Kannst du dich mal so auf die Zehenspitzen stellen…so, wie Michael Jackson das immer gemacht hat“) nachzukommen.

Ich habe übrigens noch mitnehmen können, dass das gelegentliche (und erzwungene!) Schauen der Fernsehsendung „Let’s Dance“ nicht als Fundament taugt, sich ernsthaft und souverän in der Terminologie der Kunstform „Tanz“ zu bewegen.

Zugegeben ist es nicht wahnsinnig einfallsreich, eine Tänzerin zu bitten, zu tanzen, andererseits bot sich genau das aber an.

Im Anschluss an „meine“ Fotosession war ich zwar gefühlte fünf Kilo leichter, mein Kopf schien förmlich zu qualmen, aber es war vor allem eine tolle und lehrreiche Erfahrung.

Solltest du dich übrigens fragen, warum ich diesen Abschnitt mit dem dritten Akt überschrieben habe und dich fragen, was genau die ersten beiden Akte gewesen seien: keine Ahnung. Der dritte Akt ist eben im traditionellen Theater der spannungsvolle Höhepunkt und das galt für diesen aktiven Teil des Workshops allemal.

Altglas, Abhängen, Abschluss

Nachdem auch er mit dem Fotografieren fertig war, bot Matthes mir freundlicherweise an, ein altes analoges Objektiv an meine Kamera zu adaptieren, damit ich mal ein wenig damit rumprobieren könne.

Alte Objektive, gerne auch „Altglas“ genannt, haben oft einen wunderbaren Look, sind häufig (aber nicht zwingend) weniger scharf als aktuelle Optiken und sie sind vor allem ausschließlich manuell bedienbar.

Das macht präzises Arbeiten unumgänglich, wenngleich wir auf dem Workshop ohnehin zu dem Schluss gekommen waren, dass „Schärfe nur eine Option“ sei: Wenn der Rest der Bildgeschichte stimmt, spielen Faktoren wie Schärfe, oder ein Bildrauschen nur eine untergeordnete Rolle, ohne dabei natürlich völlig vernachlässigenswert zu sein. Um den Leitsatz einzuwerfen, den wir auf dem Workshop erarbeitet haben: „Schärfe ist nur eine Option“.

Am späten Nachmittag wurde es dann allmählich Zeit, zum Ende zu kommen. Nachdem wir ein wenig aufgeräumt hatten, trennten sich unsere Wege und ich machte mich wieder auf den Heimweg nach Bremen.

Die unzähligen Eindrücke, der wenige Schlaf und das sehr frühe Aufstehen forderten ihren Tribut und so war Sekundenschlaf auf der Rückfahrt nicht so sehr das Problem; die eigentliche Herausforderung war eher das Phänomen von Sekundenwach. Nun ist es aber ja nicht ohne Grund, dass es an den Autobahnen Raststätten gibt und gleichsam ist es nicht ohne Grund, dass an Autobahnraststätten Red Bull verkauft wird.

So rumpelte ich dann zwar wenig galant, aber gut koffeinisiert zurück nach Bremen. Den Kopf voller wunderbarer Erinnerungen und neuer Erkenntnisse. Und in Anbetracht von bestimmt sechs Dosen Energiebrause alleine auf der Rückfahrt auch sehr überdreht.

Solltest du als Leser dieses Blogs also die Gelegenheit haben, auch mal an einem Workshop mit Robin teilzunehmen, ergreife die Chance. Du wirst es nicht bereuen.

Du findest Robin übrigens unter www.robindisselkamp.de.

Isabells Instagram-Account findest du hier.

Natürlich haben auch die anderen Workshopteilnehmer Beiträge zum Über Mut-Workshop verfasst – deutlich früher als ich übrigens. Den Beitrag von Nicole findest du hier, jenen von Vera hier, Matthes‘ Beitrag kannst du hier nachlesen und den Blogpost von Marcus findest du hier.

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