#no stock photography

Über Ehrlichkeit in der Fotografie, nicht jedoch über Stöcke

Über Ehrlichkeit in der Fotografie, nicht jedoch über Stöcke

13. April 2020

Die Ballermann-Hits der Fotografie

Zu den neueren Phänomenen im Geschäftsfeld der Fotografie gehören sogenannte Stockfotos. Das Ganze hat nicht etwa mit Stöcken im Sinne von Gehstock, Ast, oder Krückstock zu tun, sondern leitet sich vom englischen „to stock“, also lagern, ab.

Stockfotos werden über spezielle Webseiten, die bekanntesten Vertreter düften Shutterstock und Adobe Stock sein, vertrieben und bieten Fotografien günstig und leicht verfügbar für ein möglichst breites Publikum an.

Diese Fotos werden oftmals genutzt, um kostengünstig Broschüren, Flyer, aber auch journalistische Beiträge, oder auch großflächige Werbung bildlich zu unterstützen. Sie richten sich also an ein möglichst breites Publikum, weswegen ihr Einsatz für die genannten Publikationen natürlich völlig legitim ist.

Gerade beim Aspekt des breiten Publikums zeigt sich aber auch der Kern des Problems von Stockfotos: da für so ein Bild oftmals nur ein paar Cent bis wenige Euro fällig werden, müssen die Fotografen, die ihre Bilder für kleine Beträge über die Stockagenturen vertreiben, eine größtmögliche Masse ansprechen und das gelingt vor allem durch größtmögliche Beliebigkeit.

Stockfoto #01 – auf einem Stuhl

Ein bekanntes Beispiel ist hierfür der freundlich lächelnde, gutaussehde junge Arzt, der in seinem weißen Kittel munter in die Kamera grinst, ein Stethoskop um den Hals baumeln hat, meist ein Klemmbrett in der einen Hand hält und mit der anderen eine beliebige Geste, sei es der Daumen nach oben, oder eine nach oben geöffnete Handfläche zeigt. Apothekenumschau, ick hör dir trapsen.

Für geistlose Fotografen

Ist der Einsatz von Stockfotos gerade und insbesondere für kleinere Werbeproduktionen oder Verlage, die nicht eigens einen Fotografen beauftragen können, also nachvollziehbar, ist er es bei Fotoblogs, insbesondere eher kleinen und privaten, nicht. Deshalb vorab gleich das Versprechen, dass es auf dieser Webseite niemals ein Stockfoto zu sehen geben wird, außer es geht um Stöcke.

Insbesondere private Fotoblogs sollten von ehrlicher Fotografie leben und das kann nur mit der eigenen Fotografie gelingen. Lieber ein Bild aus dem eigenen Archiv nehmen, lieber direkt losziehen und ein zum Beitrag passendes Foto schießen. Das sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Wer jedoch achtsam durch die Welt der Fotoblogs streift, hat bereits feststellen können, dass manchmal sogar jene, die in besonderem Maße von Authentizität palavern, gegen dieses zutiefst wichtige Gebot verstoßen.

Stockfoto #002: Vor einer Garage

Wer auf seinem Fotoblog Stockfotos einsetzt, stört sich nicht daran, dass Milli Vanilli nicht selbst gesungen haben, oder der Pizzabäcker eine Tiefkühlpizza in den Ofen schiebt. Es hat ja niemand gesagt, dass man in der Pizzeria auch eine Pizza genau jener Pizzeria bekäme.

Wer über Fotografie redet und Stockfotos einsetzt, der tut der Fotografie nicht gut – im Gegenteil, er erweist ihr einen Bärendienst. Oder frei nach Karl Lagerfeld: Wer Stockfotos auf seinem Fotoblog einsetzt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.

Stockfoto #003: Auf einem Sofa auf der Straße

2 Antworten

  1. Auch für den Betrachter/Konsumenten ist der Einsatz von Stockfotos eine Zumutung.

    Bei deinen „Stockfotos“ trifft das jedoch nicht zu.

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