Moin!

Ein Fotoblog? Heutzutage? Warum das Sinn macht und was das hier alles soll.

Ein Fotoblog? Heutzutage? Warum das Sinn macht und was das hier alles soll.

1. Mai 2020

Herzlich Willkommen bei den zehntausend.photos! Ich bin der Patrick, kurz Pat und freue mich, dass du hierher gefunden hast.

Solltest du irritiert sein: Tatsächlich, das hier ist ein komplett neues Fotoblog. In 2020. Dem 2020, in dem alle Podcaster_Innen, YouTuber-Innen, oder Instagrammer_Innen sind und Influencer_Innen sowieso.

Persönlich mag ich Blogs. Gerade als Ergänzung zu Podcasts. In all ihrer Breite können Blogs eine tolle Lektüre für die Fahrt mit Straßenbahn sein, bei einem Glas Wein auf dem Sofa, oder als Abendlektüre im Bett1Achte bitte darauf, den Bildschirm deines Endgerätes in den Abendmodus zu versetzen, bei Apple heißt der Night Shift, bei Android Nachtmodus. Dieser Abendmodus reduziert den Blauanteil auf deinem Bildschirm und lässt dich so besser schlafen..

Einen einzelnen Blogartikel kannst du, im Gegensatz zu einem Podcast oder einem gehaltvollen YouTube-Video, auch super zwischendurch lesen.

Vielleicht bin ich, was das allgemeine Interesse an Blogs betrifft, aber auch ein hoffnungsvoller Romantiker.

Das hätte ein wirklich ansehnliches Stilleben werden können – wäre der Fokus nicht auf dem unteren Drittel des Tassenhenkels platziert.

Wie ich zur Fotografie kam

Natürlich will ich an dieser Stelle auch meinen eigenen Weg in die Fotografie kurz darlegen, das gehört ja zu einer solchen Einleitung durchaus dazu.

Dieser Weg begann, ausgehend vom Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels, vor etwas über zehn Jahren. Irgendwann im Frühsommer 2009 kaufte ich mir eine kleine kompakte Digitalkamera, eine Canon Ixus 80. Acht Megapixel hatte sie, was für die damalige Zeit schon ein echt guter Wert war, ein Objektiv mit Dreifachzoom (ca. 24 – 70mm im Kleinbild) und vor allem einer Anfangsblende von 2.8. Mit diesen Werten wusste ich damals zwar überhaupt nichts anzufangen, im Nachhinein muss ich aber sagen, dass die kleine Knipse gar nicht mal so schlecht ausgestattet war.

Solltest du übrigens völlig neu in der Fotografie sein: Die Blende ist eine lamellenförmige Öffnung in deinem Objektiv, die du öffnen oder schließen kannst. Öffnest du sie, machst du die Öffnung also größer, fällt mehr Licht in die Kamera, machst du sie kleiner, fällt weniger Licht in die Kamera. Je mehr Licht den Sensor einer Kamera erreichen kann, desto besser ist es, desto teurer wird es meistens aber auch. Außerdem wird über die Blende die sogenannte Tiefenschärfe gesteuert, das beschreibt den Bereich in deinem Foto, der (vor oder hinter deinem eigentlichen Motiv) scharf abgebildet wird. Auch hier gilt: je geringer der Bereich ist, den ein Objektiv scharf abbilden (je mehr gezielt eingesetzte Unschärfe es also darzustellen in der Lage ist), desto teurer wird es.

So machte ich dann also Fotos. Ich bannte vor allem alltägliches wie Urlaubserinnerungen, oder kleine Feiern auf das digitale Zelluloid. Ich mochte die Kamera und mein Umfeld erwähnte immer wieder, das ich einen tollen fotografischen Blick hätte, was natürlich ein liebgemeintes Kompliment war, aber eigentlich gar nicht so sehr den Tatsachen entsprach. Tatsächlich hatte ich hin und wieder mal Glück und ein gutes Foto gemacht, eine wirkliche Ahnung von Fotografie hatte ich jedenfalls nicht.

Schon bald stieß ich an die Grenzen meiner Kamera. Schließlich wollte ich auch mal einen Vogel fotografieren können, der irgendwo hinten im Feld sitzt, eine Person auch mit ein wenig Abstand in einen engeren Bildausschnitt nehmen, oder oder nur das Dach einer Kirche, nicht aber die ganze Kirche fotografieren können.

Aufmerksam wie ich durch die Welt der Fotografie streifte fiel mir aber irgendwann auf, dass es vor allem diese Spiegelreflexleute mit ihren großen Objektiven sind, die kleine Objekte groß ranholen können. Von Bridgekameras, im Grunde sind das Kompaktkameras in einem größeren Gehäuse mit deutlich mehr Zoom (oder einer höheren Brennweite, wenn man es hübsch ausdrücken möchte) hatte ich damals nichts gewusst, zum Glück, wie ich sagen muss und so bekam ich meine erste Spiegelreflexkamera, eine Nikon D5000 mit gleich zwei Objektiven, einem Standard- und einem Telezoom.

Damit begann dann tatsächlich mein Weg in die Fotografie.

Ein Lightpainting, was auch sonst. Mein erstes Foto mit der neuen Spiegelreflexkamera

Nämlich mit einem Lightpainting. Nachdem ich ein paar der üblichen ersten Testfotos gemacht habe, wollte ich die technischen Möglichkeiten der Kamera voll ausreizen. In diesem Internet hatte ich davor schon mal ein Video zu einem Lightpainting gesehen, erinnerte mich vage, schnappte eine Taschenlampe, drückte diese einer Freundin in die Hand und probierte drauflos.

Zwar klappte es, Symbole zu malen, die Zeit dafür war aber ausgesprochen knapp. Ich hatte die Kamera auf ein Stativ gestellt – so wurde es schließlich in dem Video gezeigt, aber noch immer den Automatikmodus aktiviert.

Trotzdem gelang es, das Lichtherz zu malen und ich war mir sicher, dass ich einmal ein ganz Großer würde.

Kurz darauf folgte aber die erste Ernüchterung. Nachdem das mit dem Lightpainting so gut geklappt hatte, wollte ich die Lichter unter mir entlangfahrender Autos als Lichtstreifen einfangen. Das hatte ich auch schon mal irgendwo gesehen und jetzt, mit der großen Kamera, würde ich das halt auch machen.

Das Problem war: Obwohl ich ähnliche Voraussetzungen hatte – das Zimmer mit dem Lightpainting war recht dunkel, die Autobahnszene war recht dunkel, ließ sich das Ergebnis nicht reproduzieren. Gut, ich hatte die Kamera auf einem Stativ, als ich das Lightpainting machte – hier habe ich aus der Hand fotografiert. Aber die Zeit, in der etwas vor der Kamera passierte, war viel kürzer als die Zeit, die mir beim Lightpainting zur Verfügung stand.

Frustriert fuhr ich nach Hause. Irgendetwas passte nicht, vielleicht war die Kamera kaputt, wahrscheinlicher war, dass ich etwas falsch gemacht hatte. Ein wenig Recherche und mir klar: Der Automatikmodus ist böse!

Irgendwann war mehr Theorie als Praxis

Im Automatikmodus versucht die Kamera zu entscheiden, was du fotografieren möchtest – und eigentlich sollte es ja genau andersherum sein. Schließlich wollte ich doch entscheiden, ob die Kamera versuchen soll, ein knackescharfes Foto vorbeifahrender Autos auf der Autobahn zu machen (was die Kamera bei dem Bild oben versucht hat), oder ob die Lichter vorbeifahrender Autos zu Lichtstreifen werden sollten.

Die Kamera entscheiden zu lassen war natürlich nicht akzeptabel und so begann ich, mich exzessiv mit der manuellen Bedienung der Kamera zu befassen. Blende, öffnen, schließen, größer, kleiner, ISO, Rauschen, böse, Belichtungszeit, kurz, lang, einfrieren, verwackeln. Puh. Da galt es wirklich viel zu lernen und dankbarerweise haben die ganzen YouTube-Leute immer die Daten zu den Fotos geschrieben. Welche Blende, welche Belichtungszeit, ISO – diese Informationen helfen allerdings nicht, ein Foto zu wiederholen. Außer unter denselben Voraussetzungen, unter denen es der Fotograf geschossen hat – und dann hat man das Bild noch immer nicht bearbeitet.

Geholfen haben die Informationen auch mir nicht, außer, dass ich ein wenig die Bedeutung vor allem der Blende zu verstehen begann.

So musste ich üben, sehr viel üben, bis ich ein ungefähres, vor allem praktisches, Gespür für das Zusammenspiel aus Blende, Zeit und ISO zu bekommen. Mit zunehmender Übung klappte das mit der Belichtung immer besser und fotografierte nur noch manuell. Egal was, es musste manuell fotografiert sein, sonst war es keine Fotografie.

Nun ja, zwar fotografierte ich nun manuell, meine Fehlbelichtungen wurden merklich weniger, aber meine Fotos wurden trotzdem nicht besser. Und wie ich so überlegte, woran das liegen könnte, kamen plötzlich Themen wie Bildgestaltung, Bildbearbeitung, Bildlooks, Bildsprache auf meine Agenda – was dazu führte, dass ich begann, mich nun exzessiv mit fototheoretischen Themen zu befassen und zunehmend weniger zu fotografieren. Blitzlichtfotografie war plötzlich so ein Ding, wie sollte man ein vernünftiges Portrait überhaupt ohne Blitzlicht machen können? Wie ein gutes Food-Foto ohne Dauerlicht? Eigentlich bräuchte ich auch einen Studiohintergrund…kurz gesagt: Es gab viel unnötige Verwirrung in meiner fotografischen Laufbahn, Kamerawechsel gaben zwar immer wieder Impulse, brachten mich aber nur bedingt voran.

Es ist wenig überraschend, dass ich die größten Fortschritte vor allem in den Bereichen erzielen konnte, die ich verstärkt geübt habe. Als mich ein befreundetes Pärchen fragte, ob ich ihre Hochzeit fotografieren könne, habe ich einfach mal blind „ja“ gesagt, zumal das eine gute Ausrede war, endlich das 70 – 200er mit der 2.8er Blende zu kaufen. Und so folgten weitere Hochzeiten – die immer besser wurden.

Nur blieb es auch zunehmend dabei, dass ich wenn ich noch fotografierte, Hochzeiten fotografierte. Außer, ich war im Urlaub oder auf Ausflügen – da wurden meine Bilder auch zunehmend besser. Sieh mal einer an.

Die Erkenntnis, dass ich um besser zu fotografieren einfach mehr fotografieren müsse, hat also eine gewisse Zeit zur Reifung gebraucht und im Zuge des Nachdenkens, wie ich denn die eigene Fotografie würde entwickeln können, entstand die Idee dieses Blogs. Auch der Name, angelehnt an das Zitat „Deine ersten zehntausend Fotos sind deine schlechtesten“ von Henri Cartier-Bresson, einem Großmeister der Fotografie, stand zügig fest.

Das schöne an dem Zitat ist, dass Bresson eben nicht sagt, dass die eigene Fotografie mit dem zehntausendunersten Bild plötzlich gut sei. Gleichzeitig behauptet er auch nicht, dass man nicht bereits nach zweitausend gemachten Fotos ein guter Fotograf sein könne. Er sagt nicht: „Deine ersten zehntausend Fotos sind schlecht“, er sagt „es sind deine schlechtesten“ und bezieht sich dabei auf den Prozess des ständigen Besserwerdens. Und selbst, wenn sie eines Tages gut sind, können sie wahrscheinlich noch immer besser werden.

An das Blog geknüpft sind viele kleinere Aufgaben, die ich mir selbst stelle und auf die ich in einem gesonderten Beitrag noch einmal eingehen werde. Es gibt aber ein zumindest grobes Konzept, dem ich folgen und lernen möchte, besser zu fotografieren – und die zehntausend Fotos zu überwinden.

Der letzte Impuls, zur Tat zu schreiten, war ein Workshop, den ich Ende 2019 besucht habe und der mein fotografisches Denken, ganz im Sinne des Leiters, ordentlich durcheinandergewirbelt hat.

Die eigentlich sehr traurige Zeit der Kontaktbeschränkungen, Kurzarbeit und nicht mehr kaufbaren Klopapiers, die zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Beitrags für mich bereits sechs Wochen währt, hat sich für das Vorhaben Blog am Ende als Glücksfall herausgestellt.

Durch die gewonnene Zeit konnte ich die Webseite so aufbauen und gestalten, wie ich das immer haben wollte.
Ich konnte in mich gehen, mir genauere Gedanken über das machen, was hier alles passieren soll und welche Schritte meine nächsten werden.

Ich bin selbst gespannt auf die Reise, die in teilweise noch diffusem Nebel vor mir liegt. Mal sehen, was sich hinter dieser Nebelwand verbirgt.

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