Am Herd im Esszimmer

Machen. So einfach ist das.

„Nicht glauben, ausprobieren“ lautet das Motto des Fotografen Stephan Wiesner, der im Mikrokosmos der Fotografie-Youtuber jedenfalls im deutschsprachigen Raum eine bekannte Größe ist. Und eben dieser Stephan Wiesner hat vor einiger Zeit eine Serie gestartet, in der es darum geht, bestimmte Fotochallenges zu absolvieren.

Wiesners Anliegen ist es, seine Zuschauer in die Aktivität zu zwingen. Es gibt mittlerweile soetwas wie den YouTube-Fotografie-Konsumenten, der zwar in der Theorie eine breite Basis hat, die eben vor allem auf YouTube-Tutorials gegründet ist, praktisch aber wenig Erfahrung sammelt, weil dieser Typus ja mehr Tutorials schaut, als das Gelernte auch wirklich umzusetzen. Letztlich geht es in diesem Blog ja auch genau darum – mehr zu fotografieren.

Ich bin gelegentlich zu Gast im „Esszimmer“, einer Mischung aus Imbiss und Restaurant in einem nahegelegenen Einkaufscenter und habe einfach mal bei der Inhaberin nachgefragt, ob von Ihrer Seite etwas dagegen spräche, wenn ich dort eine kleine Reportage auf das digitale Zelluloid banne. Sie hatte keine Einwände, ebenso hatte Timo, der Koch, erfreulicherweise keine Scheu, sich bei seiner Arbeit dokumentieren zu lassen. Und so konnte ich alsbald zur Tat schreiten.

Das Esszimmer

Im „Esszimmer“ gibt es eine im besten Sinne typische Imbisskarte. Currywurst, Schnitzel, Hamburger, Fritten, aber auch klassische Hausmannskost wie die regionale Spezialität Knipp mit Bratkartoffeln, Kartoffelpuffer, Gulasch. Das Besondere ist, dass die Bratwurst eigens von einer Metzgerei für die Futterbude hergestellt wird. Die angebotenen Schnitzel sind nicht etwa diese vorfrittierten Tiefkühldinger, es handelt sich um im Haus panierte Ware, die dann ganz klassisch gebraten wird.

Der im Vergleich zum klassischen deutschen Eckimbiss erhöhte Qualitätsanspruch macht sich aber auch im Arbeitsaufwand bemerkbar. Koch Timo war während meines Besuchs ordentlich beschäftigt, erklärte mir aber seine Begeisterung genau darüber. So würde es weder langweilig, noch ginge die Zeit zu langsam herum. Das sind nachvollziehbare Argumente, dennoch war ich beeindruckt von der Souveränität, mit der er seine Jobs abwickelte.

Sicherlich ist das auch der Erfahrung des Alltags geschuldet, wenn ich aber bedenke, wie anstrengend ich es finde, mein Schnitzel zeitgleich mit allen Beilagen fertig zu bekommen und dabei nichts anbrennen zu lassen, habe ich schon gestaunt, wie lässig es doch machbar scheint, parallel zum Schnitzel auch noch Bratkartoffeln, Bratwurst und Hamburger zuzubereiten und dabei sogar noch gute Laune zu behalten. Und tiefenentspannt zu bleiben.

Insgesamt habe ich anderthalb Stunden im „Esszimmer“ verbringen und dabei einiges an Fotos machen können. An dieser Stelle daher noch einmal meinen herzlichen Dank an Andrea, Timo und das gesamte Team, die mir ganz wunderbar völlig freie Hand gelassen und mir das Fotografieren entsprechend sehr leicht gemacht haben.